Buchtipps der Leserschaft
Was lesen Sie? Hat Sie ein Buch berührt oder geärgert? Hier finden Sie Platz, eine Leseempfehlung oder gar eine Warnung abzugeben. Schicken Sie uns einen kurzen Text samt Buchtitel, VerfasserIn und Verlag.

The Girl With The Dragon Tattoo von Stig Larsson (englische Ausgabe)
Adorno soll Englisch gelernt haben, indem er englische Krimis las. Das mach ich ihm nach. Daher folgender Buchtipp. Stig Larsson, The Girl With The Dragon Tattoo. So geht Krimischreiben: spannend von der ersten bis zur letzten Seite, nie platt und in einer Übersetzung ins Englische, die Freude macht. Mikael Blomqvist sitzt einer Journalisten-Ente auf, wird dafür verurteilt und muss sich aus dem Betrieb des eigenen Magazins zeitweilig zurückziehen. In diese Leere hinein kommt die Anfrage von Henrik Vanger, das Verschwinden seiner Grossnichte Harriet zu recherchieren. Vanger verdächtigt jemanden aus seiner mächtigen Industriellenfamilie, Harriet vor über 40 Jahren ermordet zu haben. Blomqvist realisiert schnell, dass das Verschwinden von Harriet nicht als Einzelereignis gesehen werden kann. Zu viele Spuren führen in die Vergangenheit und verweben sich in ein undurchsichtiges Durcheinander von Liebe, Missbrauch und Gewalt. Damit ist allerdings nur ein Erzählstrang angetönt. Der Plot wird erst richtig spannend, indem Larson in diese kriminalistischen Familiensaga zwei weitere Ebenen einflicht. Diejenige seiner Abrechnung mit dem Finanzmagnaten Hans-Erik Wennerström, dem Verantwortlichen für seine journalistische Niederlage und jene seiner mysteriösen Partnerin Lisbeth Salander. Zusammen löst das ungleiche Paar den Fall und liefert nicht nur zum Schluss zusätzliche Abgründe und Finten, die eine ohnehin rasante Story noch vertrackter und hintergründiger machen. Dabei gelingt es Larson, den roten Faden der Geschichte immer deutlich beizubehalten. Dass sich nicht alles zum Guten wenden kann und das Ende teilweise offen bleibt tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. (Roman, Dezember 2011)

Handbuch für Autorinnen und Autoren
Uschtrin Verlag München, 7. Ausgabe 2010
Das von Sandra Uschtrin und Heribert Hinrichs herausgegebene Handbuch erweist sich als überaus nützlicher Ratgeber für Schreibende aller Genres im Literatur- und Sachbuchbereich: Belletristik, Sachbuch, Drehbuch, Hörspiel, Theater, Heftroman oder Literaturzeitschrift. Auf rund 700 Seiten finden sich zahlreiche Adressen von Verlagen oder Literaturagenturen, Ausbildungsmöglichkeiten oder Selbstverlagen. Alles was das schreibende Herz begehrt und interessiert hat die Herausgeberschaft zusammengetragen oder in interessanten Artikeln dargelegt. Das Berufsbild des Lektors zum Beispiel oder wie es sich mit den sogenannten Pseudo-/Zuschussverlagen verhält und worauf man achten sollte beim Versand von Manuskripten oder wie man sie gestalten sollte. Auch die rechtliche Seite oder das Marketing kommen nicht zu kurz. Nützlich, nützlich, nützlich, … (LiLi, Dezember 2011)

Agnes von Peter Stamm
"Agnes" ist Stamms erster Roman, in jungen Jahren begonnen und nach langer Unterbrechung 1998 fertig gestellt. Schlichte schnörkellose Sprache, einfach konstruierter Plot um die Frage: Gibt's ein Drehbuch zum Leben? Eine Liebesgeschichte, deren Ende man auf der ersten Seite erfährt. Wer den Schreibstil Murakamis oder Kunderas schätzt, dem gefällt auch "Agnes". Aus dem Klappentext: Im überheizten Lesesaal der Public Library in Chicago wechseln sie die ersten Blicke, bei einem Kaffee die ersten Worte. Eines Tages fordert Agnes ihn auf, ein Porträt über sie zu schreiben, sie will wissen, was er von ihr hält. Schnell zeigt sich, dass Bilder und Wirklichkeit sich nicht entsprechen – und dass die Phantasie immer mehr Macht über ihre Liebesbeziehung erhält. Peter Stamm (Jahrgang 1963) lebt in Winterthur.
(Nancy, März 2011)

Tauben fliegen auf von Melinda Nadj Abonji, Jung und Jung, Salzburg und Wien 2010
Ich finde es völlig in Ordnung, dass Melinda Nadj Abonji den deutschen und den Schweizer Buchpreis bekommen hat. Sie schlägt sehr eigenwillige, unerhörte und also nie gehörte Töne an, wenn sie von ihrer ungarischen Familie in Serbien und ihrer Helvetisierung in Küsnacht erzählt. Das ist alles durchaus lesenswert, auch wenn man nach hundert Seiten genug hat von dem Stakkato und nur noch diagonal liest. Achtung! Die zentrale Stelle ab Seite 289 nicht verpassen! Und kein Opfer der eigenen „political correctness“ werden! Dann ist es ein schönes Buch, das man aber schnell wieder vergisst. (Jens, 16. November 2010)

Leidenschaften. 99 Autorinnen der Weltliteratur von Verena Auffermann, Gunhild Kübler, Ursula März und Elke Schmitter, Bertelsmann
Mit Empathie und Leidenschaft haben die vier Herausgeberinnen ein Werk verfasst, das man gerne länger gut sichtbar liegen lässt, denn es bietet sich an, immer wieder darin zu lesen. Die Porträts der 99 Schriftstellerinnen erzählen aus verschiedenen Epochen, Ländern und Lebenssituationen. Die Essays sind anregend, lehrreich, informativ und von sprachlichem Feuerwerk. (Literaturhaus, Oktober 2010)

Finsteres Glück von Lukas Hartmann, Diogenes Verlag
Hartmann, der sich in seinen früheren Romanen mit historischen Figuren Berns auseinandergesetzt hat, widmet sich in seinem neuen Buch der heutigen Zeit. Eliane, die Protagonistin, ist Psychologin und betreut einen traumatisierten Jungen, der seine gesamte Familie bei einem Autounfall verloren hat. Feinfühlig zeichnet Hartmann das Bild einer Frau, die mehr und mehr ihren Gefühlen nachgibt und sich mehr um den Jungen kümmert, als es ihrer Professionalität anstünde. Das Buch ist spannend, widmet sich der Psychologie ebenso wie dem Isenheimer Altar, einer Sonnenfinsternis und Elianes familiärem Umfeld. (Sabine, September 2010)


