Eigenproduktionen des Literaturhauses

Inspiriert durch die Bühne stellte das Literaturhaus 2009 erstmals eine Eigenproduktion auf die Beine und 2010 eine weitere. 2011 folgte eine gemeinsame Eigenproduktion mit dem TAK Theater Liechtenstein:

 

 

Schauspiel – Das Erbgut

Am 30. Mai 2012 fand die Premiere des Schauspiels "Das Erbgut" von Sebastian Frommelt im TAK Theater Liechtenstein statt. Es war die erste Eigenproduktion des TAK in Kooperation mit dem Literaturhaus. Die insgesamt fünf Vorstellungen waren gut besucht. 

 

Drei Brüder, eine Schwägerin, ein Elternhaus und eine Erbschaft. Liebe, Schuld, Trauer, Verleumdung, Verdächtigung und Sehnsucht – ein neofamiliäres Schlammsammelbecken. Im Haus der kürzlich verstorbenen Eltern findet das Treffen zweier Brüder und einer aufbegehrenden Ehefrau statt. Unter dem belastenden Eindruck eines Fluches, der auf der Familie lasten soll, müssen die Anwesenden über die Zukunft des dritten Bruders beraten, der an Autismus leidet und deswegen unter elterlicher Obhut gelebt hat. Da ist einerseits der moderne Nomade, der in der nächsten Stadt lebt und schon so manches Projekt in den Sand gesetzt hat – sei es geschäftlich oder zwischenmenschlich. Er will sich um seinen autistischen Bruder kümmern, um damit familiäre Alltagsstrukturen in sein Leben zu bringen. Im Gegensatz dazu will sein Bruder, der in die Fussstapfen des Vaters getreten ist, den Pflegefall Profis anvertrauen. Er sieht darin eine «vernünftige Lösung für alle». Seine Frau beginnt, ihn zunehmend für seine menschliche Verkrustung zu verachten. Als Frau mit Kinderwunsch hat sie seit dem Tod ihrer Schwiegereltern ausgeprägte Muttergefühle für den Autisten entwickelt … Soweit eine alltägliche Geschichte, wie sie sich überall ereignen könnte. Inszenatorisch will sich Sebastian Frommelt zwischen den Antipoden einer Volkstheaterästhetik und dem symbolischen Realismus eines David Lynch bewegen. Dieser sieht im Banalen den Horror, lässt Gewalt in Komik umschlagen und macht aus Mystischem Alltägliches – und umgekehrt.

 

Es spielten: Gisela Aderhold, Thomas Beck, Adrian Furrer und René Schnoz
Regie und Text: Sebastian Frommelt
Dramaturgie: Jan Sellke und Roman Banzer
Kostüme: Isabel Schumacher
Licht: Stefan Marti

Gute Nachbarn – Plage oder Segen?

 

Am 27. März 2010 wurde die  zweite Eigenproduktion Gute Nachbarn von Gabriele Bösch in Kooperation mit dem TaK als Live-Hörspiel aufgeführt. Regie: Brigitta Soraperra. Es spielten Martina Binz, Jutta Hoop und Suzanne Thommen. Bühne von Werner Marxer, Licht von Stefan Marti, Live-Musik von Stefan Frommelt.

 

Wir können uns vielem entziehen, nur nicht unseren Nachbarn! Und genau darum geht es in dem Stück von Gabriele Bösch, einer Vorarlberger Autorin, mit der das Literaturhaus eng und gerne zusammenarbeitet. Und wer einen Garten hat, weiss, dass es überwuchernde, alles erstickende Schlingpflanzen gibt oder einander im Wachstum wohltuende Kräuter. Die drei Protagonistinnen des Stücks, Klara (75), Patricia (40) und Lisa (25) befinden sich in ein und demselben Garten irgendwo in Vorarlberg mit Blick auf Liechtenstein und die Schweiz der Gegenwart. Drei vermeintlich höchst unterschiedliche Frauenbiographien und drei Lebenslügen rund um die Themen Geburt und Tod, Fruchtbarkeit und Abschied, ranken wie wildes Unkraut, das gejätet sein will: Aber gibt es dafür einen richtigen Zeitpunkt?

 

Worüber sie nachdenke, wurde Gabriele Bösch von Roman Banzer, dem Leiter des Literaturhauses, gefragt. Über Verhütung, gab die Autorin zurück und dann kam eins zum anderen und in diesem befruchtenden Gespräch sei auch der Tod mit ins Spiel gekommen. Bösch, die mit Prosa bekannt wurde, entdeckt immer mehr die Dramatik und lade sich, wie sie augenzwinkernd bemerkte, trotz des "schönen" Lebens gerne ein paar Qualen auf. Die ultimative Kernaussage sei für sie, dass in jedem Garten mindestens ein Hund begraben liege. Ein Text sei wie ein Kind, das irgendwann laufen lerne und sich selbständig Freunde suche. So sei es auch mit diesem Text, wenn er für die Bühne adaptiert werde, man müsse ihm Freiheit geben, damit er sich weiterentwickeln könne. Sie wünsche sich für diese Eigenproduktion ein buntes Publikum. Wohl entsprechend der vielen Nachbarschaften, aus denen sich unsere Gesellschaft zusammensetzt.

Vandalin – Zwischen Anpassung und Revolte

 

Am 14. März 09 kam Vandalin – ein Monolog für vier Stimmen von Stefan Sprenger auf die Bühne des Theaters am Kirchplatz. Es spielten Ursula Reiter, Hubert Dragaschnig, Thomas Hassler und Hans-Rudolf Twerenbold. Für die Regie zeichnete Brigitta Soraperra, fürs Bühnenbild Werner Marxer, für die Live-Vertonung Lucas Dietrich.

 

Vier Personen erzählen in Monologen: der Treuhänder Dr. Oehry (Dragaschnig), seine Frau Christine Oehry (Reiter), die Polizisten Brendle (Hassler) und Müssner (Twerenbold). Finanzplatz – Finanzkrise – Geld. Aktueller denn je ging es in diesem Live-Hörspiel um Geld und wie es die Handlungen von Menschen beeinflusst und bestimmt. Das Geld als fünfte Stimme, die durch dringt und durchdringt, ist ein Thema, das sich beim Autor Stefan Sprenger immer wieder findet. Liechtenstein, derzeit im Schraubstock der internationalen Kritik, bot sich als Spielfeld an, der Treuhänder als Protagonist.

Christine Oehry lebt in zwei Welten. Als Treuhändergattin pflegt sie einen Lebensstil, der sie nebst den Annehmlichkeiten des Reichtums mit einer unformulierten Sinnfrage konfrontiert. So bricht sie denn aus, als Ventil dienen ihr das fast zwanghafte Handeln im Versteckten, das Zurücklassen von ungeheuerlichen Spuren, welche die Polizei auf den Plan rücken lässt. Im Stück fungiert die Polizei nicht als anonyme Ordnungsmacht oder stellt keinen Kommissar dar, der sich seiner moralischen Haltung immer bewusst ist und nach ihr handelt. Brendle, der Polizist, offenbart sich als Person mit Konflikten und der dauernden Frage nach dem Richtig oder Falsch.

Vandalin ist sicher einer jener Texte, die uns mit der ältesten Versuchung der Menschheit konfrontieren, jener des Reichtums und der darin enthaltenen Frage, zu was es uns zu treiben vermag.

KSLTaK