Lesung mit Peter Kurzeck
Kurzeck liest aus seinem neuesten Buch "Vorabend"
Peter Kurzeck verbrachte ein halbes Jahr in Liechtenstein und hat den Aufenthalt in positiver Erinnerung. Die Arbeit an seinem Roman Vorabend entstand zu einem Teil auch hier und so freut sich Kurzeck besonders, hier zu lesen. Der 1943 in Böhmen geborene Autor wurde zusammen mit seiner Mutter und Schwester 1946 aus der Tschechoslowakei vertrieben und siedelte mit seiner Familie nach Staufenberg, wo er Kindheit und Jugend verbrachte. Er lebt hauptsächlich in Südfrankreich. Für seine autobiografisch geprägten Romane wurde Kurzeck immer wieder mit hochdotieren Preisen ausgezeichnet – 2009 war er Stipendiat der Heinrich-Ellermann-Stiftung des PEN-Club Liechtenstein in Vaduz.
Vorabend
Sein literarisches Schaffen umfasst zahlreiche Romane, deren letzter, eben Vorabend, der fünfte Teil einer auf zwölf Bände angelegten autobiografisch-poetischen Chronik ist und über tausend Seiten umfasst. Kurzeck geht es um nichts weniger als die Aufhebung der Zeit: Er erzählt nicht chronologisch, sondern in die Breite und will „alles sehen und für immer behalten“. Er hat sich nichts weniger vorgenommen, als ein alles umfassendes Epochenbild bundesrepublikanischer Realität zu zeichnen. Im Mittelpunkt stehen die sechziger und siebziger Jahre, in denen sich das Land in unerschütterlichem Fortschrittsglauben verändert. Kurzeck beschreibt diese Zeit vor allem als "Erfahrung des Verlusts" und zeigt sehr plastisch, wie sich Kapitalismus und Wachstum in den mittelhessischen Landstrichen seiner Heimat Bahn brechen. Der Wert dieser Chronik ist nicht "Selbstzweck" des Autors, sondern der Versuch, die Epoche möglichst getreu und sprachlich sehr ambitioniert festzuhalten. Ein "Glücksfall für die deutschsprachige Literatur", meint beispielsweise die NZZ. Kurzeck gelingt eine am mündlichen Erzählen orientierte Schreibweise ebenso wie musikalische, berührende Sprache – „macht süchtig und glücklich“, wie beispielsweise die Frankfurter Rundschau bemerkt. Miniatur um Miniatur verbindet sich zu sprachlich hochliterarischer Quasi-Mündlichkeit. Peter Kurzeck kam auf aussergewöhnliche Weise zum digitalen Verlagsmanuskript: Drei Monate lang las er seinen auf Papier getippten Roman, unzählige Freiwillige erfassten das Gelesene zeitgleich am Computer.
Ein grosser Erzähler und poetischer Chronist
Das Literaturhaus und das TAK freuen sich auf einen grossen Erzähler und seinen Roman. Besonders, da er sich auch durch mitreissende und individuellen Lesungen sowie Hörbuch-Produktionen einen Namen gemacht hat.



